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Personenfreizügigkeit praktisch

Am letzten Freitag fand in Aarberg das Weihnachtsfest von Directories statt. Wir als local.ch sind da auch eingeladen - Directories ist unsere Mutter.

An unserem Tisch sassen drei Chauffeure von Postauto, oder Postcar, wie sie mir erklärten, die uns später in der Nacht dann zurück nach Bern, Luzern und nach Biel zur Unterkunft fahren würden. Rund um eine grosse Baggerschaufel mit einer grossen Glut und einem noch grösseren Topf Fondue entspannte sich eine spannende Diskussion rund um die Personenfreizügigkeit.

Herr Zinniker ist Postautochauffeur mit Leib uns Seele. Kunststück, in seiner Familie fährt man seit 80 Jahren für die Post. Seine Familie hatte eine eigene Fuhrhalterei mit 40 Mitarbeitern. Sie mussten sie vor zwei Jahren stark redimensionieren und auf Extrafahrten und Carreisen neu ausrichten. Warum? Aufgrund der WTO Ausschreibungsregeln wurde die Konzession für die Linien rund um Zofingen neu ausgeschrieben. Gewonnen hat die Ausschreibung nach einem zweijährigen Prozedere die SBB und Bremgarten Dietikon Bahn (Wie bitte, rechte Tasche konkurriert linke Tasche??).

Wie? Sie war billiger. Wie geht das bei einem Betrieb wo eigentlich alles ziemlich genau zu berechnen ist? Der Fahrplan ist vorgegeben und damit die Anzahl Fahrzeuge und die Anzahl Chauffeure für den Regelbetrieb. Billiger sein geht einzig über zwei Varianten: A) Weniger Unterhalt an den Fahrzeugen, wobei das ein Verschieben in der Zeit darstellt, da die Busse so schneller ersetzt werden müssen und B) über tiefere Löhne. 

Beide Varianten wurden eingesetzt: Die Kürzung der Löhne hat für viel böses Blut gesorgt und wurde von den Gewerkschaften letztlich erfolglos bekämpft. Die Konsequenz: Heute fahren zum Teil Chauffeure aus dem (nahen...) Elsass für die gebotenen Löhne von 4000.-/Monat. Die etwas älteren aber langjährigen Chauffeure beim bisherigen Fuhrhalter verdienten 6000.-/Monat. Ein Wahnwitz die neue Situation. 

Kunststück ist Herr Zinniker ein resoluter Gegner der Personenfreizügigkeit.

Bei local.ch beschäftigen wir Mitarbeiter aus 7 verschiedenen Nationen bei Total 24 Vollzeitstellen. Ein recht internationaler Mix also. Wie kam das? Wir haben alle Stellen hier in der Schweiz ausgeschrieben aber auf verschiedene Stellen nur Bewerbungen aus dem nahen und weiten Ausland bekommen oder von in der Schweiz niedergelassenen Schweizern. Ich kann also nicht gegen die Personenfreizügigkeit sein. Im Gegenteil, ohne die pragmatische Haltung des Zürcher Migrationsamts hätten wir erhebliche Probleme gehabt bei mindestens einer Stelle.

Klar diese Stellen sind Spezialistenstellen. Das sieht auch Herr Zinniker so.

Wie aber können wir beide Anliegen unter einen Hut bringen: Einfache Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen für Leute wie wir sie suchen, gleichzeitig aber den Unsinn unterbinden mit Chauffeuren aus dem Elsass, die in Zofingen fahren?

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1 Million für die Schweizer Wirtschaft

Die Weltwoche hat uns inspiriert: Nach dem die Banken mit Milliardenbeträgen gestützt wurden, wollten wir konkret was für die Schweizer KMUs machen. Also bietet local.ch 1 Million gratis Telefonanrufe für Schweizer KMUs an. Wie's geht? Hier erklären wirs.


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Ooops, das ging daneben

Ein weiterer Höhepunkt in der aktuellen Finanzkrise: Das Titelbild der heutigen Weltwoche Ausgabe ist getitelt mit "La crise n'existe pas". Heute morgen um 07h00 kündigt das Eidgenössische Finanzdepartement eine CHF 66 Milliarden schwere Rettungsaktion für die UBS an (Die grösste Bankenrettungsaktion weltweit im übrigen). Aha, peinlicher kanns nicht daneben gehen bei den neoliberalen Journalisten von der einstmals grossartigen Weltwoche. Roger Köppel, seine Wirtschaftsredaktorin Carmen  Gasser sowie weitere Gastautoren, z.B. besonders grossartig im völlig missratenen Timing Gerhard Bührer, der Chef von Economiesuisse, haben vor allem eines bewiesen: Dass sie nichts begriffen haben.

Ich halte es da eher mit einen vorgängigen Blogposts: Das Schlimmste ist erst da wenn's auch gedacht ist. 

Nun zur Frage: How to fix this mess? Auch das ist nicht so schwierig: Demut, Besinnung aufs Wesentliche - Familie und Freunde, einfache Modelle an den Finanzmärkten - Aktien, Obligationen und that's about it, eine Wirtschaftsordnung in der sich ein Franken investiert in echte Arbeit mehr lohnt, als ein Franken investiert in Finanzinstrumente.

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Die Krise als Logo-Friedhof

Gefunden auf der BBC News Website.

So schnell geht das und es nicht nicht vorbei...

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Auf dem Weg...

Gestern morgen habe ich über den £50 Mia. Bailout hier in Grossbritannien geschrieben. Das war ein paar Moment bevor die britische Regierung noch weiter ging und mittels Garantien und weiteren Massnahmen die Banken faktisch teilverstaatlicht und mit dem koordinierten Zinsschnitt der grossen Zentralbanken der Staat nochmals massiv den Banken unter die Arme hilft. Wir sind also schon ein gutes Stück weiter auf dem gestern beschriebenen Weg zu einer quasi Verstaatlichung der Finanzindustrie sowie einer umfassenden Garantie für die Aktivitäten derselben.

Heute scheinen sich die Märkte etwas zu erholen. Vielleicht hats genutzt, dass der Chef der Europäischen Zentralbank, Trichet, den Finanzleuten ins Gewissen geredet hat.

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I like paying taxes. With them I buy civilization

Heute morgen hier in London war die BBC Schlagzeile in den 7 Uhr Nachrichten: £50 Bailout for British Banks. De facto ist die Regierung im Begriff die Banken hier auf der Insel (zumindest teilweise) zu verstaatlichen. Und das im Geburtsland des Kapitalismus (1)! Wie vor ein paar Tagen geschrieben: Die Geschichte ist erst zu Ende gedacht wenn sie die schlimmst mögliche Wendung genommen hat. Und da sind wir heute ein gutes Stück weiter. Ich glaube langsam müssten die Regierungen sich zu überlegen beginnen, den ganzen Bankensektor zu garantieren, oder eben den gesamten Finanzsektor zu nationalisieren. Sprich wir alle als Individuen und Staatsbürger werden letztendlich für den Unsinn und die Exzesse einer Industrie bezahlen müssen. Und möglicherweise ist das der Preis den wir bezahlen müssen, um schlimmeres zu verhindern. Um es mit Oliver Wendell Holmes, einem Richter am höchsten Gericht der USA, zu sagen: Steuern sind der Preis für eine zivilisierte Gesellschaft.

(1) Einige Leute sprechen immer von den USA als dem Geburtsland, aber vergessen wir nicht, Adam Smith schrieb das Buch "An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations" hier in Grossbritannien

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Es kommt alles noch viel schlimmer und wir wollen es nicht wahrhaben

Diese Woche hat's in sich: WaMu hats gelupft, die erste Version des $700Mia US-Rettungspakets auch, Wachovia und B&B stehen kurz davor (B&B mit dem sinnigen Slogan "We'll help you get where you want to be), Hank - the Hammer - Paulson sei sogar auf die Knie vor Nancy Pelosi und die Börsenbarometer stehen nur auf rot.

Besagter Hank hat 2002 anlässlich einer Rede vor dem Nationalen Presseklubs in den USA gesagt: "Ich komme als Individiuum, das aus voller Überzeugung an die Stärke unseres freien Marktes glaubt - ein System, das Wachstum bringt, Arbeitsplätze schafft, Engagement belohnt und Innovation unterstützt wie kein anderes in der Geschichte."

Und der Chefredaktor der NZZ am Sonntag, Felix E. Müller, sieht sich gezwungen zu schreiben: "Dabei sind alle Unkenrufe vom Ende der Marktwirtschaft weit verfehlt. Kein anderes System als die Marktwirtschaft ist in der Lage aus Fehlern die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und Korrekturen einzuleiten - was jetzt geschieht."

Aus den Zitaten spricht zweierlei: lineares Denken in bestehenden Bahnen und das Unvermögen anders zu denken, als eben in diesen bestehenden Bahnen. Wesentlich realistischer scheint mir die Einschätzung von Ray Dalio von Bridgewater Associates, einem der grössten Hedge-Funds der Welt. Er geht von 2000 Milliarden Dollar Abschreibungsbedarf aus. 2000 Milliarden gegenseitiger Versprechen, die nun plötzlich nicht mehr eingelöst werden, weil die Finanzwelt sich gegenseitig und gemeinsam andern (Hausbesitzern) gegenüber misstraut und die der fiktive Wert Geld so plötzlich eben das ist was es immer schon war: Eine fiktive Grösse, deren Wert einzig auf dem kollektivem Vertrauen fusst.

Insgesamt halte ich es in dieser Situation mit Friedrich Dürrenmatt, der in den 21 Punkten zu seinem Stück "Die Physiker" darlegte, dass " Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst mögliche Wendung genommen hat."

Oder andersrum gesagt: Gürtel enger schnallen.

PS: Damit mich niemand falsch versteht: Das hier ist nicht das Ende der Welt, die Geschichte insgesamt ist noch nicht zu Ende gedacht. Es geht also weiter und wir setzen unsere Pläne um.

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Amerika wird sozialistisch

Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac ist gleich auf mehreren Ebenen ziemlich einzigartig: Bush, der einzige US-Präsident mit MBA Abschluss und bisher für seine stramm marktwirtschaftlichen Ansichten bekannt (Okay, Reichern Steuergeschenke machen ist nicht wirklich marktwirtschaftlich) verstaatlicht die beiden grossen Hypotheken-Institute Amerikas.

Die Börsen finden das alle toll (Ansonsten immer sehr skeptisch, wenn der Staat etwas unternimmt) und verzeichnen grosse positive Kurssprünge.

Das alles unter der Annahme nun sei alles vorbei, das Schlimmste überstanden. Nur leider haben sich die Auguren in dieser Sache bisher stetig getäuscht (Immerhin Krugman vermerkt: Gute Sache die Rettung, aber das alles ist noch lange nicht vorbei).

Und der grosse Management Guru - sein Buch Good to Great ist eigentlich auch wirklich toll - Jim Collins scheint sich getäuscht zu haben: Fannie Mae war eines seiner Beispiele für eine ausgezeichnet geführte Firma. Ooops, da ist was schief gegangen.

Was will uns das alles sagen: Wir bewegen uns in einer unsicheren Welt solange die Financial Assets - wie in den letzten Jahren passiert - so exorbitant schneller wachsen als die Real Assets (Dumm die Graphik neulich online gesehen, aber wo? Hätte ich doch bloss schon unseren neuen Dienst). Heute sind sie ein mehrfaches der Real Assets und das ist ungesund. Und damit müssen wir aufhören, ob uns das nun passt oder nicht. Eine Aufgabe die nur der Staat lösen kann.

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Ökonomie praktisch: Kooperation würde sich lohnen

Direkt vis-à-vis vom neuen liip Office in Zürich gibts folgendes zu sehen:

Satellite Dishes in Zürich 4

Könnte ich gleichzeitig das ganze Haus aufnehmen mit meiner Handy-Kamera gäbs noch weitere 5 Satelliten-Schüsseln zu sehen.

Kuckt man sich die Schüsseln genau an, so sieht man, dass sie mit drei Ausnahmen alle in die gleiche Richtung zeigen. Wohl sogar auf den gleichen Satelliten, denn laut den üblichen gut unterrichteten Quellen wohnen fast im ganzen Haus Leute von der gleichen Region. Klar, sie möchten Fernsehen aus der Heimat empfangen. Und doch: Gerade effizient ist der ganze Prozess nicht. Würden sich die Hausbewohner die Investitionskosten für eine oder zwei Satellitenschüsseln teilen, hätten sie alle Geld gespart. Aber eben: Das würde Kooperation voraussetzen, etwas was in der virtuellen Welt des Internets in gewissen Bereichen ganz ordentlich klappt, aber in der physischen Welt offenbar manchmal nicht.

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Aha: Die Gurkennorm wird abgeschafft

Heute Morgen in der NZZ aufgeschnappt: Die EU-Gurken-Norm soll abgeschafft werden, aber vielleicht doch nicht. Endlich, sagen manche; leider, sagen andere.

Die Norm selber ist eine der besonders schönen Exemplare von Bureaucrats gone wild aka Apparatschicks at work. So wird zum Beispiel genau festgelegt wie viel Krümmung eine Gurke haben darf: "Leicht gebogene Gurken können eine maximale Krümmung von 20 mm auf 10 cm Länge der Gurke aufweisen".

Nun soll die Norm also abgeschafft werden. Verkauft wird das dann als "Bürokratie-Abbau", laut der zuständigen Kommissarin Mariann Fischer Boel.

Doch so schnell geht das nicht. Konkret sind insbesondere einige der grossen Produzentenländer wie Deutschland, die Niederlande, Frankreich und weite Teile des Handels dagegen. Besonders bei den Staaten ist das scheinheilig, denn auf der einen Seite zeigen sie immer gerne auf Brüssel als Quelle von Ungemach, andererseits wollen sie die lokale Agro-Klientel dann doch nicht verärgern. Denn eine standardisierte Gurke ist europaweit vergleichbar und somit einfacher verpackbar und handelbar. Das hat auch der ehemalige Bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber gesehen, der sich sonst in seiner Pension um die Lichtung des Brüsseler Dschungels kümmert (Flächendeckende Abholzung ist doch schlecht - siehe Amazonas, doch davon ein andermal)

Wird die Norm im Herbst abgeschafft, sind wir alle erleichtert. Oder? Oder etwa nicht? Denn wir, die wir unser Auskommen mittels dem Internet verdienen, profitieren von weltweiten Standards wie kaum jemand sonst...

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