Der italienische Statistiker
Corrado Gini hat 1912 einen Index zur Messung der statistischen Verteilung vorgeschlagen, der vor allem zur Messung der Verteilung von Einkommen und Vermögen benutzt wird - der
Gini Coefficient.

Quelle: Wikipedia
Ein Gini Coeffizient 0 besagt, dass jeder genau gleich viel verdient oder Einkommen besitzt. Ein Coeffizient von 1 heisst, dass eine Person alles verdient / besitzt und die anderen nichts.
Nun, interessant ist, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg Ernst gemacht wurde mit der Idee der Leistungsgesellschaft. D.h. ein Kind konnte egal von welcher Herkunft eine gute Ausbildung absolvieren und so sein eigenes Los in die Hand nehmen. Das Resultat: In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis weit in die 90-er Jahre lagen diese Coeffiziente in den meisten westlichen Ländern irgendwo zwischen 0.3 und 0.5 waren. D.h. es hab in den Ländern stärker werdende Mittelschichten und eben ein ausgeglichener Reichtum.
In Ländern, zum Beispiel Entwicklungsländer wie Namibia aber auch Schwellenländer wie Brasilien, Südafrika, etc. mit einem hohen Gini Coeffizient (0.5 und grösser) schlägt sich das direkt auf die Gesellschaft durch: Hohes Armutsgefälle, entsprechend hohe soziale Probleme wie grassierende Arbeitslosigkeit, Kriminalität, etc.
Bedenklich ist vor allem die Entwicklung in den westlichen Ländern in den letzten Jahren, besonders in den USA. In den Golden Sixties lag der Index für die USA unter 0.4 und stieg seither
kontinuierlich auf inzwischen
0.46, das höchste Niveau seit der Grossen Depression in den zwanziger / dreissiger Jahren.
Warum ist das schlimm? Ausgeglichene Gesellschaften sind in jeder Beziehung bessere Gesellschaften: Bessere Lebensqualität, längere Lebenserwartung, bessere Zukunftschancen, tiefere Kriminalität, bessere (öffentliche) Dienstleistungen, etc. Amerika bewegt sich mit grossen Schritten weg davon Richtung ungerechte und segregierte Gesellschaft. Nur noch eine Handvoll reiche Leute verfügen über schier unbegrenzte Mittel und der grosse Rest darbt. Die Konsequenzen eines solchen Gefälles sind klar: Siehe zum Beispiel Südafrika.
Dieses Aussage ja nicht verwechseln mit einer stupiden Gleichmacherei und einer erzwungenen Umverteilung über hohe Steuern und andere Zwangsabgaben. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand über den Aktienteil seiner Firma oder einer FIrma, in die er investiert, ein Vermögen akkumulieren kann. Der Counterpart ist dann gegeben, wenn man mit eigenem Geld in eigenes Risiko geht, abstürzen kann, aber eben auch gewinnen. Was nicht angeht sind die heute perversen Gehälter von sogenannten Spitzenmanagern, die ohne eigenes Risiko dicke Saläre einstreichen.
Aber zu einer guten Gesellschaft gehört ein Gesellschaftsvertrag der Leistung fair belohnt und Leuten mit weniger Chancen hilft, sich wieder eigene Chancen zu erarbeiten. Diese dann wahrzunehmen, ist ihre und nur ihre Aufgabe (Sprich Arbeit muss sich mehr lohnen als Sozialhilfe, aber wenn jemand aus dem Job fällt, dann gehört ihm / ihr geholfen. Und ein Kind aus einer wenig bemittelten Familie hat genau das gleiche Recht auf eine Chance - sprich gute Ausbildung - im Leben wie ein Kind aus einer begüterten Familie, etc.).
Eigentlich ganz einfach. Aber warum vergessen das die Leute hüben wie drüben im Moment so oft? Warum fokussieren sie sich auf das erhaschen von Privilegien für ihresgleichen (Steuergeschenke für die Reichen, ein ausufernder Sozialstaat für die Armen) anstatt sich gemeinsam für eine bessere Gesellschaft einzusetzen? Wobei klar ist wer den ersten Schritt zu tun hat - die Besserbemittelten, denn sie können es sich leisten und das letztlich aus pur lauterem Eigennutz, denn zur Konsequenz von Nicht-Handeln gibt es genug aktuelle Beispiele. Ich zum Beispiel will auch weiterhin ruhigen Fusses nachts durch den Zürcher Hauptbahnhof gehen können ohne Angst um Leib und Leben. Ein Privileg, dass es in vielen Nationen nicht gibt. Sich dafür einzusetzen lohnt sich - für alle.