Die UBS ein Sündenpfuhl und Miami, das Lugano der USA
Beim Durchlesen der beiden Fälle US Justice Departement vs. UBS wird einem schlecht. Der 1ste Fall betrifft die ca. 300 Personen bei denen Steuerbetrug vermutet wird (Release und Unterlagen [PDF]). Der 2te Fall ist die Zivilklage wegen breit angelegter Steuerhinterziehung (Release und Unterlagen [PDF]).
Klar ist eines: Die UBS Client Advisors und deren Management ("Highest Executives") wussten ganz genau was sie taten. Minutiös listen die Beteiligten auf wie den Immigrationsbehörden auszuweichen ist, welche Telefonnummer angerufen werden soll, wenn trotzdem etwas schief geht (+41-44-234 24 24 - 7x24 - "Security Risk Governance will subsequently co-ordinate the next steps with Legal, Line Management and any other support function"), dass es einen Zielkonflikt zwischen den hohen "New Net Money" - NNM - Zielen und den "Regulatory Risks" gibt, dass man ohne Unterlagen reisen soll, die Hotels oft wechseln soll, wenig mit dem Handy telefonieren soll (mobile phones can easily be eavesdropped) und wie man in den Bahamas Offshore Firmen aufbaut zwecks Parken von Geldern von vermögenden US-Kunden.
Klar ist auch: Die US Behörden haben Blut geleckt und werden nicht rasten, bis sie möglichst viele der anvisierten 52'000 US-Kunden der UBS zur Selbstdeklaration getrieben haben und darüber hinaus auch den US-Kunden der andern Banken klar gemacht haben, dass Steuerhinterziehung in Zeiten der Krise nicht toleriert wird. Allerdings wird auch die US Regierung den Bankrott eines der grössten Wall-Street Häuser nicht wollen. Der Schreck der Lehman Pleite sitzt zu tief.
Klar wird auch: Die Schweizer Behörden reagieren wie in solchen Fällen üblich leider wenig überzeugend. Vieles gemahnt mich an die Diskussion über Geldwäscherei in den 80ziger und 90ziger Jahren und die Holocaust Diskussion in den 90ziger Jahren. Erst auf massivsten Druck geschah das offensichtliche: Clean up your act. Ein Geschäftsmodell, das auf der Verschleierung von kriminellen Tatbeständen fusst, hat kein Platz.
Bei der UBS wird nur ein kompletter Neuanfang im Top Management mit neuen externen Leuten für eine echte Besserung sorgen. Die bestehende Führungsriege muss gehen.
Wir, die ehrlichen Schweizer, bezahlen heute schon und erst recht in Zukunft einen (sehr) hohen Preis für das ungebührliche Verhalten von wenigen geldgierigen Bankern.
Dass es auch anders geht zeigt die Schweizer Industrie. Zum Beispiel die Uhrenindustrie. In den 70ziger Jahren am Boden, ist sie heute Weltspitze. Die Produkte werden gekauft nicht wegen dubiosen Paragraphen, sondern weil sie spitze sind.
Apropos Spitze: Eine gegen die USA sei erlaubt. Miami ist grosser und lukrativer Finanzplatz (auch für Anwälte). Auch nach intensiver Recherche, ist es mir nicht gelungen, denselben Verve von US Behörden bei der Verfolgung von Steuerhinterziehung und Betrug durch lateinamerikanische Bürger in Miami zu identifizieren. Miami für Lateinamerika also so etwas wie Lugano für Italien.


