In der losen Serie über Banken und Bank-Manager, die immer noch nichts begriffen haben, heute ein besonders schönes Müsterchen. In der heutigen NZZ - mit Titelbild von Königin Elizabeth II. - liegt eine farbige Beilage (Kostenpunkt: kaum unter 100'000 Franken, die NZZ also eine Empfängerin von britischen Steuergeldern) der Royal Bank of Scotland mit dem sinnigen Titel "Zu Ihren Diensten" bei. Genau genommen gehts um ein Werbepamphlet über strukturierte Produkte.

Wie bitte?!
Die bitterböse Ironie ist hier den Verantwortlichen nicht aufgegangen.
Die RBS ist seit letztem Jahr verstaatlicht. Sprich die vorliegende Broschüre wurde auf britische Staatskosten gedruckt.
Der Inhalt ist noch unfasslicher. Die "Leiterin öffentlicher Vertrieb Schweiz", Frau Irene Brunner, spricht in ihrem Editorial (Siehe Bild) von Eigentümerwechsel in zwei Phasen. Mit keinem Wort erwähnt sie im gesamten Editorial die Verstaatlichung der RBS.

Etwas Hintergrund: Die herausgebende Abteilung ist die vormalige ABN AMRO strukturierte Produkte Abteilung Schweiz. Die ABN AMRO wurde in einem von Gier und Eitelkeiten kaum zu überbietenden Übernahmekampf von der Banco Santander (Spanien) und ebendieser RBS (UK) übernommen. Es war der Beginn vom Ende, wie schon damals verschiedene Pressestimmen treffend voraussagten - und das 2007 ohne Kenntnis der Finanzkrise der letzten zwei Jahre.
Frau Brunner weiss das alles ganz genau. Doch davon kein Wort.
Auch der freundlich lächelnde Herr Hourican (Siehe erstes Bild), seines Zeichens CEO Global Banking & Markets spricht in seinem "Interview" lediglich davon "dass die britische Regierung als grosser Aktionär auf den Plan treten musste."
Im Fliesstext wird an einer versteckten Stelle von 70% Staatsanteil gesprochen. Falsch. Richtig ist, dass die RBS zur Zeit zu zu 84% den britischen Steuerzahlern gehört, die dazu notabene nie für ihr Einverständnis gefragt wurden. Fact checking war noch nie ein Forte der besagten Bank, sonst wärs nicht so weit gekommen.
Und als sei die Broschüre nicht schon Hohn genug für alle durch die Finanzkrise arbeitslos gewordenen Menschen, malt das Pamphlet auch noch das schöne Bild der ach so tollen struturierten Produkte. Der Chef Schweiz, Herr Lucas Bruggemann, schwafelt in in der Broschüre von drei wesentlichen Dingen "Menschen, langfristige Kundenbeziehungen, Vertrauen".
Direkt gefragt: "Herr Bruggemann, ist bei Ihnen die kürzer zurückliegende Geschichte der RBS noch nicht angekommen? Menschen wurden von der RBS millionenfach enttäuscht. Beispiel: Der Ex-CEO Fred Goodwin kassierte £20Mio und übertrug den Menschen Grossbritanniens die unlimitierte Haftung für sein Chaos. Bis zum heutigen Tag kostete das 45.5 Milliarden Pfund. Und sie getrauen sich von Menschen und Vertrauen zu reden? Ehrlicher wäre davon zu sprechen, wie verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden kann."
Über den Inhalt mag ich eigentlich gar nicht sprechen: Ein Geschwafel über strukturierte Produkte. Ja genau die Sorte Produkte, die ursächlich waren für die Finanzkrise, auch für die Totalpleite bei der RBS.
Liebe RBS Schweiz: Total fail.