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Die Marktwirtschaft braucht klare Grenzen und Gesetze, sagt der Economist

The Economist puts more faith in business than most. Yet even the stolidest defenders of capitalism would, by and large, agree that its tendency to form cartels, shuffle off the costs of pollution and collapse under the weight of its own financial inventiveness needs to be constrained by laws designed to channel its energy to the general good. Business needs governing, just as science does. (Memonic Item)

Wie wahr.

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By courtesy of her majesty: Royal Bank of Scotland Beilage in der heutigen NZZ

In der losen Serie über Banken und Bank-Manager, die immer noch nichts begriffen haben, heute ein besonders schönes Müsterchen. In der heutigen NZZ - mit Titelbild von Königin Elizabeth II. - liegt eine farbige Beilage (Kostenpunkt: kaum unter 100'000 Franken, die NZZ also eine Empfängerin von britischen Steuergeldern) der Royal Bank of Scotland mit dem sinnigen Titel "Zu Ihren Diensten" bei. Genau genommen gehts um ein Werbepamphlet über strukturierte Produkte.

Courtesy of Queen Elizabeth II. - RBS Pamphlet

Wie bitte?!

Die bitterböse Ironie ist hier den Verantwortlichen nicht aufgegangen.

Die RBS ist seit letztem Jahr verstaatlicht. Sprich die vorliegende Broschüre wurde auf britische Staatskosten gedruckt.

Der Inhalt ist noch unfasslicher. Die "Leiterin öffentlicher Vertrieb Schweiz", Frau Irene Brunner, spricht in ihrem Editorial (Siehe Bild) von Eigentümerwechsel in zwei Phasen. Mit keinem Wort erwähnt sie im gesamten Editorial die Verstaatlichung der RBS.

Das unbedarfte Editorial von besagtem Pamphlet

Etwas Hintergrund: Die herausgebende Abteilung ist die vormalige ABN AMRO strukturierte Produkte Abteilung Schweiz. Die ABN AMRO wurde in einem von Gier und Eitelkeiten kaum zu überbietenden Übernahmekampf von der Banco Santander (Spanien) und ebendieser RBS (UK) übernommen. Es war der Beginn vom Ende, wie schon damals verschiedene Pressestimmen treffend voraussagten - und das 2007 ohne Kenntnis der Finanzkrise der letzten zwei Jahre.

Frau Brunner weiss das alles ganz genau. Doch davon kein Wort.

Auch der freundlich lächelnde Herr Hourican (Siehe erstes Bild), seines Zeichens CEO Global Banking & Markets spricht in seinem "Interview" lediglich davon "dass die britische Regierung als grosser Aktionär auf den Plan treten musste."

Im Fliesstext wird an einer versteckten Stelle von 70% Staatsanteil gesprochen. Falsch. Richtig ist, dass die RBS zur Zeit zu zu 84% den britischen Steuerzahlern gehört, die dazu notabene nie für ihr Einverständnis gefragt wurden. Fact checking war noch nie ein Forte der besagten Bank, sonst wärs nicht so weit gekommen.

Und als sei die Broschüre nicht schon Hohn genug für alle durch die Finanzkrise arbeitslos gewordenen Menschen, malt das Pamphlet auch noch das schöne Bild der ach so tollen struturierten Produkte. Der Chef Schweiz, Herr Lucas Bruggemann, schwafelt in in der Broschüre von drei wesentlichen Dingen "Menschen, langfristige Kundenbeziehungen, Vertrauen".

Direkt gefragt: "Herr Bruggemann, ist bei Ihnen die kürzer zurückliegende Geschichte der RBS noch nicht angekommen? Menschen wurden von der RBS millionenfach enttäuscht. Beispiel: Der Ex-CEO Fred Goodwin kassierte £20Mio und übertrug den Menschen Grossbritanniens die unlimitierte Haftung für sein Chaos. Bis zum heutigen Tag kostete das 45.5 Milliarden Pfund. Und sie getrauen sich von Menschen und Vertrauen zu reden? Ehrlicher wäre davon zu sprechen, wie verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden kann."

Über den Inhalt mag ich eigentlich gar nicht sprechen: Ein Geschwafel über strukturierte Produkte. Ja genau die Sorte Produkte, die ursächlich waren für die Finanzkrise, auch für die Totalpleite bei der RBS.

Liebe RBS Schweiz: Total fail.

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Ungehörige Hedge-Funds Steuerprivilegien

Ganz offensichtlich hat die Finanzbranche immer noch nichts begriffen. Da lese ich doch in der NZZ vom Donnerstag über Steuerkniffe bei Hedge-Funds

"Das vor Jahresfrist angekündigte Kreisschreiben zur steuerlichen Behandlung von Hedge-Funds-Managern ist aus politischen Gründen in der Versenkung verschwunden. Doch die Praxis hat Wege zur steuerschonenden Behandlung der Manager gefunden"

Was hier euphemistisch "steuerschonend" genannt wird, heisst konkret auf Einkommen von 1-2 Millionen Franken nur 10%-20% Steuern bezahlen. Der Mittelstand zahlt im Schnitt doppelt so viel (bei notabene viel geringeren Einkommen von vielleicht 150'000 Franken pro Jahr). Wie erreichen die Herren das: Mit allerlei Kniffen. Und ganz offensichtlich mit stillschweigendem Einverständnis der Behörden und einer ganzer Reihe von Politikern. Die Begründung: Zuzug von solchen Hedge-Funds Managern, zum Beispiel aus London. 

Es ist wirklich stossend. Wie an anderer Stelle schon vermerkt: Dass die Schweiz als Standort so vorteilhaft ist, hat mit stabilen Institutionen und einem verlässlichen Rechtssystem zu tun. Beides hat sehr direkt mit einer fleissigen, ehrenhaften und integren Bevölkerung zu tun, die dieses Staatswesen darstellt und mögich macht. Taxes buy Civilisation, heisst der relevante Grundsatz.Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, weswegen Einkommen von Hedge-Funds Managers tiefer besteuert werden sollen, als vergleichbare andere Einkommen. Und das wegen Tricksereien bei der Einkommensdeklaration.

Diese steuerflüchtigen und -optimierenden Hedge-Funds Manager sind wie Maden in einem gesunden Apfel. Sie können nur so lange leben, wie der Apfel noch nicht restlos ausgehölt und zerstört ist. Dann müssen sie sich einen neuen Wirt suchen.

Nein, wir wollen diese Leute nicht hier. Sie machen unser Land kaputt.

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Richtig: Die Banken haben nichts gelernt

Rudolf Strahm hat neulich in der Berner Zeitung pointiert Stellung genommen über den Versuch der Finanzindustrie, starke Regeln zu verhindern.

Nach dem durch die Finanzindustrie mit dubiosen Produkten verursachten Flächenbrand, haben ebendiese noch immer nicht begriffen, dass anständige Wirtschaftsregeln nichts mit überbordender Regulierungswut zu tun haben. Anstatt den neuen Finma Regeln stattzugeben, wird heftig geschossen.

Banken sind für jede Wirtschaft essentiell, doch die Banker haben immer noch nichts gelernt.

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Grübel, die Dampfwalze und Chocolat Suisse

Grübel also soll’s richten. Im Nachgang ärgere ich mich, dass ich nicht vorher darauf gekommen bin. Anforderungsprofil „intakte Reputation“, „Führungserfahrung als CEO einer Grossbank“, „gewandt im Erhalten von Boni“. Da gibt’s nicht viele Personen. Klar kommt vom Erzfeind, aber besondere Zeiten verlangen besondere Massnahmen (ausser bei der Mäßigung der Boni).

Grübel also eine natürliche Wahl.

Grübel hat ganz sicher einen perfekten Sinn für Timing. Zweimal schon ist er zwei Jahre vor dem großen Krach ausgestiegen. Damals als er gegen den Leithammel der Chocolat Suisse & Winistörfer Gemüsehandel AG in der Ausmarchung um seinen Job verloren hat (Er als lifelong Chocolatier...). Er hatte einen Gemüseberater als Chef vor die Nase gesetzt bekommen. Das kann bei den heiklen Chocolatrezepturen nicht gut gehen.  Im Buch „Mit festem Schritt zum Abgrund“ wird er liebevoll so beschrieben: „Der Einfachheit halber wollen wir auch ihm einen Namen geben und passend wäre wohl “Die Dampfwalze“, da Dampfwalzen über einen kleinen Führerstand verfügen, eine sehr direkte, mechanische Schaltung aufweisen, fürs Grobe gebaut und nicht geeignet sind, sich um die Details zu kümmern, die unter die Walze kommen.“

Zwei Jahre später wurde er aus dem Vorruhestand zurückgeholt, lernte gerade genug vom Gemüsegeschäft, um es gewinnbringend verkaufen zu können und konzentrierte sich fortan wieder auf die Herstellung von global geschätzter Schokolade (und das regelmäßige und rege Naschen in den Schokitöpfen).

In besagtem Buch wird sein Wirken so beschrieben: „Nach der ersten Phase, in welcher das Porträt der Dampfwalze in sämtlichen  Tageszeitungen und Wochenillustrierten auftauchte, zog er sich ins stille Kämmerlin zurück und legte für sich das weitere Vorgehen fest. Wie immer in schlechten Zeiten und bei fehlender Kommunikation machten diverse Gerüchte die Runde. [...] Im Sinne eines Untergrundkämpfers nach dem Motto „jeden Tag einen Anschlag“ macht er sich daran, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens wöchentlich zu beunruhigen und vor den Kopf zu stossen.“

Auf dem Höhepunkt der globalen Chocolat-Hausse (Ausser in der Zentralafrikanischen Republik wo klimatisch bedingt wenig Schoki verkauft wird) stieg er aus und verschrieb sich wieder mit mässigem Erfolg der Reduktion seines Golf-Handicaps.

Jetzt ist er zurück. Soll die Schokifabrik wieder aufrichten. Zu alter Grösse zurückführen. Well, let’s see... Ich wünsche ihm gutes Gelingen. Zu viel steht auf dem Spiel für den Werkplatz Schweiz.

Mein Tipp: Wenn er das nächste Mal aussteigt, dann sollte man mitaussteigen und die Aktien verkaufen. 

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Die UBS ein Sündenpfuhl und Miami, das Lugano der USA

Beim Durchlesen der beiden Fälle US Justice Departement vs. UBS wird einem schlecht. Der 1ste Fall betrifft die ca. 300 Personen bei denen Steuerbetrug vermutet wird (Release und Unterlagen [PDF]). Der 2te Fall ist die Zivilklage wegen breit angelegter Steuerhinterziehung (Release und Unterlagen [PDF]).

Klar ist eines: Die UBS Client Advisors und deren Management ("Highest Executives") wussten ganz genau was sie taten. Minutiös listen die Beteiligten auf wie den Immigrationsbehörden auszuweichen ist, welche Telefonnummer angerufen werden soll, wenn trotzdem etwas schief geht (+41-44-234 24 24 - 7x24 - "Security Risk Governance will subsequently co-ordinate the next steps with Legal, Line Management and any other support function"), dass es einen Zielkonflikt zwischen den hohen "New Net Money" - NNM - Zielen und den "Regulatory Risks" gibt, dass man ohne Unterlagen reisen soll, die Hotels oft wechseln soll, wenig mit dem Handy telefonieren soll (mobile phones can easily be eavesdropped) und wie man in den Bahamas Offshore Firmen aufbaut zwecks Parken von Geldern von vermögenden US-Kunden.

Klar ist auch: Die US Behörden haben Blut geleckt und werden nicht rasten, bis sie möglichst viele der anvisierten 52'000 US-Kunden der UBS zur Selbstdeklaration getrieben haben und darüber hinaus auch den US-Kunden der andern Banken klar gemacht haben, dass Steuerhinterziehung in Zeiten der Krise nicht toleriert wird. Allerdings wird auch die US Regierung den Bankrott eines der grössten Wall-Street Häuser nicht wollen. Der Schreck der Lehman Pleite sitzt zu tief.

Klar wird auch: Die Schweizer Behörden reagieren wie in solchen Fällen üblich leider wenig überzeugend. Vieles gemahnt mich an die Diskussion über Geldwäscherei in den 80ziger und 90ziger Jahren und die Holocaust Diskussion in den 90ziger Jahren. Erst auf massivsten Druck geschah das offensichtliche: Clean up your act. Ein Geschäftsmodell, das auf der Verschleierung von kriminellen Tatbeständen fusst, hat kein Platz.

Bei der UBS wird nur ein kompletter Neuanfang im Top Management mit neuen externen Leuten für eine echte Besserung sorgen. Die bestehende Führungsriege muss gehen.

Wir, die ehrlichen Schweizer, bezahlen heute schon und erst recht in Zukunft einen (sehr) hohen Preis für das ungebührliche Verhalten von wenigen geldgierigen Bankern.

Dass es auch anders geht zeigt die Schweizer Industrie. Zum Beispiel die Uhrenindustrie. In den 70ziger Jahren am Boden, ist sie heute Weltspitze. Die Produkte werden gekauft nicht wegen dubiosen Paragraphen, sondern weil sie spitze sind.

Apropos Spitze: Eine gegen die USA sei erlaubt. Miami ist grosser und lukrativer Finanzplatz (auch für Anwälte). Auch nach intensiver Recherche, ist es mir nicht gelungen, denselben Verve von US Behörden bei der Verfolgung von Steuerhinterziehung und Betrug durch lateinamerikanische Bürger in Miami zu identifizieren. Miami für Lateinamerika also so etwas wie Lugano für Italien.

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Finanzprodukte sind wie Asbest oder Quecksilber: Zu verbieten

Die toxischen Papiere in unserem Finanzsystem haben mittlerweile bedrohliche Formen angenommen. Weit über 11'000 Milliarden sind zur Rettung der Weltwirtschaft schon ausgegeben worden und ein Ende ist nicht absehbar. Die Banken werden noch weitere Kredite brauchen - de facto sind sie pleite - sowie bis vor kurzem kerngesunde Unternehmen ebenfalls Milliarden brauchen um zu überleben (Die Verantwortlichen sind noch immer nicht abgetreten). Doch woher nehmen? Oft wird auf Japan verwiesen und sein verlorenes Jahrzehnt. Eine Analyse (1) zeigt, dass Japan vor allem von starken Exporten profitiert hat, um aus der Krise herauszufinden. Doch die Welt als ganzes kann sich nicht aus diesem Sumpf "hinaus exportieren". Und der Hinweis von Krugman, dass ein Überhang an Schulden beim letzten Mal erst durch einen Weltkrieg "weg korrigiert" ist in der Vorstellung erschreckend.

Nehmen wir an, der Aufschwung kommt irgendeinmal zurück. Was ist zu tun, dass eine solche Situation sich nicht wiederholt?

Quecksilber ist selbst in kleinsten Dosen für Mensch und Tier schädlich. Gleich verhält es sich mit Asbest. Beides sind natürliche Stoffe, die für sich allein gelassen kein Problem darstellen, die Folgen deren industrieller Nutzung für uns aber gravierend sind. Deswegen wird die Verwendung dieser Stoffe stark reguliert und bisweilen sogar verboten.

Und genau das sollten wir mit komplexen Finanzprodukten tun: Verbieten.

Oder deren gebrauch zumindest stark einschränken und hart regulieren. Das hat nichts mit Sozialismus zu tun, sondern mit einer grundliberalen Einstellung: Ein freier Markt braucht gescheite Regeln

Diese "Produkte" haben gleich wie Quecksilber und Asbest - wie wir gerade erfahren - äusserst schädliche Nebenwirkungen. Die vielleicht in Teilen sogar sinnvolle Anwendung ist nicht weiter zu verantworten. Wir können die Auswirkungen nicht kontrollieren: Die sogenannten mathematischen Risikomodelle haben versagt und Besserung ist nicht in Sicht.

Es gibt ein Vorbild im Gesundheitssektor: Die staatlichen Arzneimittelstellen. Bei uns die Swissmedic und in Amerika die FDA. Der Auftrag von Swissmedic lautet: Wir sorgen dafür, dass die zugelassenen Heilmittel qualitativ einwandfrei, wirksam und sicher sind. 

Und genau das brauchen wir auch für den Finanzplatz.

Eine Behörde die vorgängig prüft, die ein hartes und über mehrere Stufen führende Zulassungsverfahren durchführt. Zum Beispiel mit einem Markttest des "Produkts" über mehrere Jahre zuerst als reines "virtuelles Produkt", anschliessend in einem begrenzten kleinen Markttest, etc. So halt wie man das bei Medikamenten aus gutem Grund schon lange macht.

Die Finma und ihr glückloser Chef von Bankers' Gnaden und die SEC haben bewiesen, dass sie diese Behörden nicht sein können.

____________

(1): Die Analyse geht auf Richard C. Koo zurück, Autor des Buches The Holy Grail of Macroeconomics (John Wiley, 2008). Eine Zusammenfassung seiner Ideen hat er anlässlich einer Tagung dargelegt. Das PDF dazu hat's in sich (Must Read!), sein konkreter Vorschlag ist goldrichtig:

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Kurrer & Rohner: Please go!

Während Jahren sassen diese Herren in der Konzernleitung der UBS und haben andere darüber belehrt, dass unternehmerisch Handeln, Vertrauen und Verantwortung zentral sind im Geschäftsleben. Heute haben sie bei der UBS CHF 20 Mia. Verlust für das Jahr 2008 veröffentlichen müssen (Wie im Detailhandelsgeschäft mit 19,697 angeschrieben anstatt 20 weil's billiger tönt).

Gleichzeitig versuchen sie mit einer Lawine von Zahlen darüber hinwegzutäuschen, dass sie noch immer viel Geld in Form von nicht notwendigen Ausgaben abfliessen lassen (aka überzogene Strategie, Boni, viel zu hohe Löhne, etc. etc.). Nichts von unternehmerischen Handeln.

Das Vertrauen in die UBS ist weg. Letzten Herbst habe ich an Rohner einen Brief geschrieben mit einer Frage: "Erklären Sie mir weshalb ich UBS Kunde bleiben soll". Eine Antwort habe ich erst auf nochmaliges Nachfragen erhalten und die Antwort war "more of the same" zur UBS und keine (richtig, keine) Aussage warum ich Kunde bleiben soll. Keine Grundlage für einen vertrauensvollen Neuanfang.

Herr Kurrer besonders hat uns en grand public immer wieder Vorträge darüber gehalten, dass man Verantwortung wahrnehmen muss (In die gleiche Kategorie gehört Herr Kielholz, der die grundsolide SwissRe in ein Kasino verwandelt hat, damit abgestürzt ist und sie jetzt an Warren Buffet verscherbeln muss). Jetzt wäre es an der Zeit wirklich Verantwortung zu übernehmen.

Gentlemen: Please go!

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Spitzenbanker: Profit ohne Moral

Was ist eigentlich so verwerflich an den hohen Entlöhnungen der sogenannten Spitzenbanker und Topmanager?

Ihr Tun höhlt das moralische Fundament unserer Gesellschaft aus.

Es ist somit ein verwerfliches Verhalten. Und die Leute gehören zu recht geächtet.

Gegen Geld verdienen ist nichts einzuwenden. Auch gegen viel Geld verdienen ist nichts einzuwenden. Geld per se ist neutral. Eine Person, die etwas sehr erfolgreich tut, kann richtigerweise für diese Leistung eine grosszügige Entlohnung erwarten. Die Grösse der Entlohnung hängt von der spezifischen Leistung der Person ab und deren relativer Bewertung durch die übrigen Marktteilnehmer. In einem fairen Markt werden die Entlohnungen für die Meisten relativ ausgeglichen sein. Für einige werden sie deutlich über dem Durchschnitt liegen, weil sie Überdurchschnittliches leisten.

Die unmittelbare Frage ist folglich was eine überdurchschnittliche Leistung definiert. Überdurchschnittliche Leistungen sind per Definition selten. Wären sie häufig, wären sie eben doch nur durchschnittlich. Somit kann es sich in jedem Fall nur um ganz wenige Individuen handeln, die sich wirklich und deutlich vom Durchschnitt abheben.

Im Fall der Finanzindustrie aber schien das anders zu sein. Plötzlich fanden sich ganz viele Leute überdurchschnittlich und genial. Damit begründeten sie ihre hohen „Kompensationen“ und Entschädigungen (1). Kompensation wofür eigentlich? Für ihre unsägliche Arroganz und Dummheit? Angespornt durch die hohen Gehälter liessen sich auch Manager aus anderen Branchen immer höhere Saläre auszahlen. Die Begründung war stets dieselbe: Der internationale Markt für Managementtalente ist so umkämpft, dass nur über kompetitive Entschädigungen die Firmen die Besten an sich binden können. Warum aber haben Manager in den letzten Jahrzehnten für deutlich geringere Gehälter auch tolle Leistungen erbracht haben? Weil die Höhe der Gehälter keine direkte Beziehung zur eigentliche Leistung hat. Vielmehr werden die Gehälter durch eine eng verfilzte Managementkaste sich gegenseitig zugeschanzt. Jeder hat ein Interesse bei diesem Rennen nach oben mitzumachen, weil er reihum auch davon zu profitieren hofft.

Und hier setzt das moralisch verwerfliche Verhalten ein. Diese Leute haben in keiner Art überdurchschnittliche Leistungen erbracht, sich aber gegenseitig genau dies vorgegaukelt. Die Gier war die entscheidende Triebfeder. Damit haben sie den Boden geschaffen für eine schamlose Bereicherung und ein Signal weit über die Teppichetage hinaus, dass Selbstbedienung ohne echte Leistung auf Kosten anderer in Ordnung ist.

Grundwerte unserer Gesellschaft werden erheblich entwertet und vielfach dauerhaft beschädigt. Denn eine Gesellschaft aufgebaut auf Gier, ist eine todgefährliche Gesellschaft. Das ist letztlich das moralisch Verwerfliche dieser Eliten: Sie erlauben sich eine Trittbrettfahrt auf Kosten von uns allen.

Wie in diesem Blog bereits mehrfach diskutiert, sind Grundwerte wie harte Arbeit, Ehrlichkeit, Mut, Zuversicht, Toleranz, Neugier und Bescheidenheit die Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch ein Streben nach einer ausgeglichenen und gesunden Gesellschaft. Eine gesunde Gesellschaft, ist eine Gesellschaft wo 1 Franken investiert in Arbeit mehr Ertrag einbringt als 1 Franken investiert in dubiose Finanzinstrumente.

Können wir wieder zu einem besseren Gleichgewicht zurückfinden? Ja das können wir. Es ist die Herausforderung unserer Generation die alten Grundwerte wieder ins Zentrum zu rücken.

Update: UBS schüttet zwei Milliarden an Boni aus. Knapp zwei Stunden nach meinem Post finde ich auf Tagesanzeiger.ch die Meldung, dass die UBS auch weiterhin Milliarden in Boni steckt obwohl die Bank laut Presseberichten 20 Milliarden Verlust für 2008 schreiben wird und wir Schweizer Steuerzahler gerade 6 Milliarden in Form von Direkthilfe eingeschossen haben und weitere 60 Milliarden mit der Übernahme der toxischen Papiere.

Und wenn jetzt Herr Rohner, CEO der UBS, wieder erklären wird, dass diese Boni halt vertraglich vereinbart seien und gewisse Bereiche der Bank ja gut gearbeitet hätten, und sie das Top Management ja "verzichtet" hätten, dann sind das leider nichts als beschönigende Worte. Besondere Zeiten erfordern besondere Massnahmen, das gilt auch für Bankkader und zu Schönwetterzeiten vertraglich vereinbarte Boni.

Tatsächlich: Profit ohne Moral.


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(1) Ab einer gewissen Höhe von Lohn, wird der Ausdruck durch Kompensation oder Entschädigung ersetzt. Scheinen Synoyme zu sein für Gage. Als seien sie Schauspieler, was sie letztlich auch sind: Schlechte Schauspieler.

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China und Amerika auf Augenhöhe

China hat einen grossen staatlich kontrollierten Bankensektor und einige private Banken. Amerika hat einen grossen staatlich kontrollierten Bankensektor und immer noch einige private Banken.

China hat einen grossen staatlich kontrollierte Industriesektor und viele private Firmen. Amerika hat (nach dem Rettungspaket für die Autoindustrie) einen grossen staatlich kontrollierten Industriesektor und immer noch viele private Firmen.

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