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Herr Schwarz: Lesen Sie die eigene Zeitung nicht?

Herrlich NZZ: Auf der Kommentarseite zieht der Wirtschaftschef Gerhard Schwarz über die Sehnsucht den Kapitalismus zu zähmen her und ein paar Seiten weiter gibts einen ganzseitigen Artikel über die Klöster als Pioniere der Corporate Governance. Darin erläutern Emil Inauen und der bekannte Ökonom Bruno S. Frey, dass Benediktinerklöster ihr Jahrhunderte altes Bestehen auf drei Eckwerten aufbauen: Mitsprache (=demokratischen Strukturen), gemeinsames Wertsystem und externe Kontrolle. Die Autoren schreiben: 

"Die Geschichte des Klosters Engelberg zeigt, dass demokratische Wahlen der Führungskräfte zu besseren Äbten führen. Von den als tüchtig und fähig beurteilten Äbten sind nur 11% nicht demokratisch gewählt worden, während von den schlechten Leadern 67% ohne oder über eine manipulierte Wahl (z. B. wenn Schirmorte politischen Druck ausübten) an die Macht gelangten."

In seinem Artikel schreibt Schwarz: 

"Es sind immer Menschen, die «versagen», die dumm, unvorsichtig, gierig, riskant handeln. Diese Eigenschaften sind normal verteilt; es gibt beispielsweise wenige besonders Dumme und besonders Intelligente, der Rest bewegt sich in der Mitte. Wer das versteht, wird nie die Illusion hegen, Menschen in der Politik oder in Aufsichtsgremien seien gescheiter oder moralischer als Menschen in der Wirtschaft, im Finanzsektor. Warum auch sollten sie Risiken besser erkennen oder weniger eigennützig sein?"

Herr Schwarz, individuell haben Sie recht. Die Herren Innauen und Frey weisen aber nach, dass als Gruppe betrachtet, der so erarbeitete Konsens langfristig der erfolgreichere ist.

Warum diese implizite Abwertung des demokratischen Prozesses, Herr Schwarz?

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Sylvester ist völlig überbewertet

War gerade oben im Zolliker Wald joggen. Weit und breit habe ich Rehe bei der Vorbereitung des Sylvesterzaubers gesehen, weder eine Dachsfamilie bei einer House-Party, noch ein Fuchs beim Fondue-Chinoise. Es ist ein (für die Jahreszeit deutlich zu warmer) Abend wie jeder andere auch. Sylvester ist völlig überbewertet.

Aber für alle die Sylvester toll finden: Happy new year anyway!

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Die Marktwirtschaft braucht klare Grenzen und Gesetze, sagt der Economist

The Economist puts more faith in business than most. Yet even the stolidest defenders of capitalism would, by and large, agree that its tendency to form cartels, shuffle off the costs of pollution and collapse under the weight of its own financial inventiveness needs to be constrained by laws designed to channel its energy to the general good. Business needs governing, just as science does. (Memonic Item)

Wie wahr.

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Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende: Herr Leuenberger berufen Sie Herrn Béglé ab

Und schon wieder ein Eklat bei der Post: Nach der plötzlichen Abberufung von Michel Kunz tritt heute Abend der langjährige VR Rudolf Hug. Streitpunkt in allen Fällen die von Béglé forcierte neue Strategie: Wachstum und Profit im Ausland, um den Service Public im Inland querzufinanzieren.

Herr Leuenberger, diese neue Strategie ist Schall und Rauch.

Herr Béglé lässt sich wie folgt zitieren: "Es geht letztlich darum, mit dem im Ausland verdienten Cashflow die Infrastruktur in der Schweiz zu finanzieren."

Das kann nicht gut gehen.

Nehmen wir einfach mal an, Herr Béglé vertriebe nicht die letzten guten Mitarbeiter bei der Post und es gelinge der Post im Ausland Fuss zu fassen und die anvisierten Gewinne zu realisieren: Fallen diese substantiell aus, so ergibt sich automatisch ein Ungleichgewicht innerhalb des Konzerns. Die Kollegen im Ausland werden sich fragen, warum sie mit ihren Gewinnen die Verluste im Inland querfinanzieren sollen. Besonders innerhalb der anvisierten Poststruktur als Aktiengesellschaft schaffen solche Ungleichgewichte über kurz oder lang Sprengpotential. Die von Béglé zitierte Nestlé würde es nie akzeptieren, mit den Gewinnen im Ausland ein defizitäres Schweizer Geschäft zu erhalten. Die Konsequenz: Das Schweizer Geschäft würde restrukturiert, abgebaut oder geschlossen. Das blüht mit der anvisierten Strategie von Béglé auch unserer Post.

Herr Béglé ist der falsche Mann für die Post. Herr Leuenberger berufen sie ihn ab. Und zwar schnell.

PS: Der Swisscom ist die bewusste Beschränkung auf die Schweiz gut bekommen. Es gibt keinen Grund weswegen Schweizer Steuergelder eine Post-Expansion in Asien finanzieren sollen.

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Update 19. Januar 2010: Herr Béglé tritt per sofort zurück. Gut so. Alleine sein Begründungsbrief ist Grund genug ihn zu entlassen. Kostprobe: "Ich tat dies mit der mir eigenen Innovations- und Schaffenskraft sowie meiner Weltoffenheit" Hybris kommt vor dem Fall.

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Das Krippenplatz Konundrum

Vielen jungen Familien geht es so: Aufgrund der Berufstätigkeit der beiden Elternteile, ist die Familie auf externe Betreuung der Kinder angewiesen. Ein Krippenplatz muss her. Und davon hat es zu wenig, meint man. Es gibt viele Artikel, die einen akuten Notstand auszumachen meinen, aber kaum nicht betreute Kinder. Wie kommt das? 

Meldet sich Nachwuchs an, so meldet fast jedes Paar diesen umgehend in mehreren Krippen an. In unserem Fall haben wir das Spiel auch mitgemacht und unser Kind in vier Krippen angemeldet (Wie ich mir von andern Eltern habe berichten lassen, werden oft bis zu 6 Anmeldungen hinterlegt. Wir nehmen im folgenden einen Schnitt von 5 an). 

Nehmen wir an in unserer näheren Umgebung gäbe es noch vier andere Familien mit dem Betreuungsbedarf von je einem Platz. Total also fünf Familien mit Bedarf für fünf Plätze.

Gesamthaft werden aber fünf mal fünf Anmeldungen generiert, total 25 Anmeldungen oder 25 Plätze fiktive Nachfrage für fünf effektiv gebrauchte Plätze. Jeder Sozialpolitiker schlägt Alarm und spricht von schaurigem Notstand.

Und natürlich ist das Spiel nicht ein einmalige Angelegenheit, sondern setzt sich über beliebige Perioden fort. D.h. die fiktive Nachfrage bleibt auf dem überhöten Niveau im Vergleich mit der effektiven Nachfrage.

Ist das Kind einmal geboren und ab dem 4 - 5 Monaten bereit für die Krippe beginnt ein Dominospiel. Die erste fixe Anmeldung hat zur Folge, das die vier andern Anmeldungen zurückgezogen werden. Etc. reihum. Am Schluss haben alle plus minus den gewnünschten Platz.

Plus minus deswegen, weil es wohl tatsächlich einen leichten Nachfrageüberhang gibt. Diesen Schluss legt die Tatsache nahe, dass es in den letzten Jahren in Zürich einen kontinuierlichen Ausbau des Angebots gab, das auch effektiv nachgefragt wurde. 

Insgesamt als weit weg von Notstand, sondern eher ein Beispiel für ein klassisches Marktversagen aufgrund von Informationsasymetrien.

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Lecture: Virtual Teams

Today I am in Nyon at the Uefa and talk about virtual teams. Slides available here (pdf, 7MB) plus my set on Network Organizations here.

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Vortrag: Neue Technologien für interessanteres Web-Erlebnis

Heute Abend spreche ich bei Reto Hartinger's Internet Briefing über neue Technologien für ein interessantes Web-Erlebnis. Am konkreten Beispiel zeige ich, welche Erfahrung wir mit Friend Feeding, Remix the Web, skalierbaren Infrastrukturen, etc. gemacht habe.

Die Slides sind hier hinterlegt (PDF, 205kb), ein Memonic Set mit den wesentlichen Links und Erkenntnissen ist hier zu finden.

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