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Frank A. Meyer: Basta, abtreten!

Frank A. Meyer, "ein Journalist, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt" schlägt wieder einmal verbal um sich. In einer Kolumne im Blick macht er allen Ernstes das Internet für für die Finanzkrise verantwortlich und gegen Marcel Weiss von Netzwertig zettert er:

"Marcel Weiss formuliert in seinem Forum netzwertig.com die vulgäre Ideologie, die hinter der Total-Entwertung des geistigen und künstlerischen Schaffens steckt: «Musiker sollten sich damit abfinden: Wie in der Zeit vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden sie ihren Lebensunter halt mit Auftritten und dergleichen verdienen.» "

Und formuliert weiter:

Denn das Internet ist keine andere Wirklichkeit. Es bildet die reale Welt nur ab. Als Technik, das heisst als Instrument, gehört das Internet ganz und gar zur Welt hienieden. Deshalb hat sich alles, was online geschieht, Recht und Gesetz unserer demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft unterzuordnen.

Basta!

Herr Meyer, das bestreitet niemand, auch Marcel Weiss nicht. Was Sie offensichtlich immer noch nicht begreifen, ist der Wandel der Zeit. 

Wie schon Egon Friedell, ein österreichischer Kulturgeschichtler vermerkte, ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte des sich gegenseitigen Abschreibens. Alexander von Philipp, Schiller von Shakespeare, letzterer von Plutarch, Goethe seine Farbenlehre, und auch Herr Meyer frönt fröhlich des Plagiats, wobei das bei ihm dann beschönigend heisst: "liegt dieser Dokumentation zu Grunde". 

Damals als die Zeitungen erfunden wurden war lange nicht klar, ob die in einer Nachricht enthaltene Information nicht urheberrechtlich schützbar sei, ergo von einer Zeitung gegen den Willen der Quelle nicht publiziert werden darf. Es hat einige Zeit gedauert, bis der Begriff des Urheberrechts, wie wir ihn heute verstehen, geprägt wurde.

Erst in den letzten ca. hundert Jahren verwandelte sich der ursprüngliche Begriff des Urheberrechts immer mehr in ein Verwerterrecht, dass einseitig zu Gunsten der Verlage den Zugang zu geistigem Schaffen regelte. 

Das Urheberrecht ist keine fixe Grösse, sondern in Wandlung begriffen. Zuletzt durch die elektronischen Medien. Nichts von alledem hat etwas mit der aktuellen Finanzkrise zu tun. Finanzkrisen gab es zu jeder Zeit auch ohne Internet. 

Verlage wie Ringier sind entgegen anders lautenden Beteuerungen nicht allein der intellektuellen Innovation verpflichtet sind, sondern ganz einfach dem schnöden Mamon. Gerade sie täten besser daran, sich aktiv mit der dieser Diskussion, wie sie zum Beispiel intelligent und vielfältig auf Netzwertig geführt wird, aktiv zu befassen.

Die Traktate von Herrn Meyer gemahnen da eher an Herrn Tscherwonenko, dem Einflüsterer von Breschnew, der zuerst die Beziehungen zwischen der UdSSR und China gründlich zerstörte und danach in Prag mit seinen aufheizenden Depeschen nach Moskau die Beendigung des Prager Frühlings durchsetzte. Damit wurde eine korrosive Kraft freigesetzt, die rund zwanzig Jahre später den kompletten Zusammenbruchs des kommunistischen Systems bewirkte. 

Herr Meyer, zeitgeschichtliche Entwicklungen lassen sich nicht einfach unterdrücken, auch wenn Sie das punkto Internet wünschen. In der Regel fressen sie diejenigen, die es versuchen. Deswegen und zu Gunsten des Medienhauses Ringer: 

Basta mit derart fahrigen Rundumschlägen Herr Meyer - Abtreten!

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PS: In dem Zusammenhang durchaus lesenswert obwohl schon fünfjährig: Der Herr der Schwachen und Eitlen

Comments (1)  Permalink

comments

Hamster @ 11.08.2009 13:19 CEST
Kann ich jetzt schreiben, dass dorian glaubt, Frank A. Meyer sei für die Niederschlagung des Prager Frühlings verantwortlich gewesen? Kann ich nicht, denn das hat dorian nicht geschrieben.
Allerdings hat Meyer auch nicht geschrieben, dass "das Internet für die Finanzkrise verantwortlich" ist. Für ihn hat sich im Finanzsystem und Internet gleichermaßen das "Virtuelle" vom "Realen" abgetrennt, wodurch in beiden Fällen "rechtsfreie Räume" entstanden seien. Verwirrend ist sicherlich seine Formulierung des "Internet-getriebenen Finanzkapitalismus", womit er anscheinend meint, dass Finanztransfers über Computernetzwerke abgewickelt werden, also über etwas, das ganz ähnlich wie das Internet ist.

Ansonsten stimme ich dorian zu, dass das Urheberrechte keine Naturrechte sind, sondern beim Aufkommen neuer Techniken neu verhandelt werden müssen. So war das schon bei jedem neuen Medium, angefangen beim Buchdruck. Ein "Basta" ist darum in jedem Fall Fehl am Platz.
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