Spitzenbanker: Profit ohne Moral
Was ist eigentlich so verwerflich an den hohen Entlöhnungen der sogenannten Spitzenbanker und Topmanager?
Ihr Tun höhlt das moralische Fundament unserer Gesellschaft aus.
Es ist somit ein verwerfliches Verhalten. Und die Leute gehören zu recht geächtet.
Gegen Geld verdienen ist nichts einzuwenden. Auch gegen viel Geld verdienen ist nichts einzuwenden. Geld per se ist neutral. Eine Person, die etwas sehr erfolgreich tut, kann richtigerweise für diese Leistung eine grosszügige Entlohnung erwarten. Die Grösse der Entlohnung hängt von der spezifischen Leistung der Person ab und deren relativer Bewertung durch die übrigen Marktteilnehmer. In einem fairen Markt werden die Entlohnungen für die Meisten relativ ausgeglichen sein. Für einige werden sie deutlich über dem Durchschnitt liegen, weil sie Überdurchschnittliches leisten.
Die unmittelbare Frage ist folglich was eine überdurchschnittliche Leistung definiert. Überdurchschnittliche Leistungen sind per Definition selten. Wären sie häufig, wären sie eben doch nur durchschnittlich. Somit kann es sich in jedem Fall nur um ganz wenige Individuen handeln, die sich wirklich und deutlich vom Durchschnitt abheben.
Im Fall der Finanzindustrie aber schien das anders zu sein. Plötzlich fanden sich ganz viele Leute überdurchschnittlich und genial. Damit begründeten sie ihre hohen „Kompensationen“ und Entschädigungen (1). Kompensation wofür eigentlich? Für ihre unsägliche Arroganz und Dummheit? Angespornt durch die hohen Gehälter liessen sich auch Manager aus anderen Branchen immer höhere Saläre auszahlen. Die Begründung war stets dieselbe: Der internationale Markt für Managementtalente ist so umkämpft, dass nur über kompetitive Entschädigungen die Firmen die Besten an sich binden können. Warum aber haben Manager in den letzten Jahrzehnten für deutlich geringere Gehälter auch tolle Leistungen erbracht haben? Weil die Höhe der Gehälter keine direkte Beziehung zur eigentliche Leistung hat. Vielmehr werden die Gehälter durch eine eng verfilzte Managementkaste sich gegenseitig zugeschanzt. Jeder hat ein Interesse bei diesem Rennen nach oben mitzumachen, weil er reihum auch davon zu profitieren hofft.
Und hier setzt das moralisch verwerfliche Verhalten ein. Diese Leute haben in keiner Art überdurchschnittliche Leistungen erbracht, sich aber gegenseitig genau dies vorgegaukelt. Die Gier war die entscheidende Triebfeder. Damit haben sie den Boden geschaffen für eine schamlose Bereicherung und ein Signal weit über die Teppichetage hinaus, dass Selbstbedienung ohne echte Leistung auf Kosten anderer in Ordnung ist.
Grundwerte unserer Gesellschaft werden erheblich entwertet und vielfach dauerhaft beschädigt. Denn eine Gesellschaft aufgebaut auf Gier, ist eine todgefährliche Gesellschaft. Das ist letztlich das moralisch Verwerfliche dieser Eliten: Sie erlauben sich eine Trittbrettfahrt auf Kosten von uns allen.
Wie in diesem Blog bereits mehrfach diskutiert, sind Grundwerte wie harte Arbeit, Ehrlichkeit, Mut, Zuversicht, Toleranz, Neugier und Bescheidenheit die Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch ein Streben nach einer ausgeglichenen und gesunden Gesellschaft. Eine gesunde Gesellschaft, ist eine Gesellschaft wo 1 Franken investiert in Arbeit mehr Ertrag einbringt als 1 Franken investiert in dubiose Finanzinstrumente.
Können wir wieder zu einem besseren Gleichgewicht zurückfinden? Ja das können wir. Es ist die Herausforderung unserer Generation die alten Grundwerte wieder ins Zentrum zu rücken.
Update: UBS schüttet zwei Milliarden an Boni aus. Knapp zwei Stunden nach meinem Post finde ich auf Tagesanzeiger.ch die Meldung, dass die UBS auch weiterhin Milliarden in Boni steckt obwohl die Bank laut Presseberichten 20 Milliarden Verlust für 2008 schreiben wird und wir Schweizer Steuerzahler gerade 6 Milliarden in Form von Direkthilfe eingeschossen haben und weitere 60 Milliarden mit der Übernahme der toxischen Papiere.
Und wenn jetzt Herr Rohner, CEO der UBS, wieder erklären wird, dass diese Boni halt vertraglich vereinbart seien und gewisse Bereiche der Bank ja gut gearbeitet hätten, und sie das Top Management ja "verzichtet" hätten, dann sind das leider nichts als beschönigende Worte. Besondere Zeiten erfordern besondere Massnahmen, das gilt auch für Bankkader und zu Schönwetterzeiten vertraglich vereinbarte Boni.
Tatsächlich: Profit ohne Moral.
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(1) Ab einer gewissen Höhe von Lohn, wird der Ausdruck durch Kompensation oder Entschädigung ersetzt. Scheinen Synoyme zu sein für Gage. Als seien sie Schauspieler, was sie letztlich auch sind: Schlechte Schauspieler.



