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Amerika braucht einen Neuanfang - Wir auch

Auf dem Rückflug aus den Ferien habe ich mir je eine Ausgabe der International Herald Tribune (Auslandausgabe der New York Times) und von Newsweek vom Montag, 22. Dezember '08 geschnappt. Nach der Lektüre bin ich konsterniert: Ich habe den Eindruck, dass Amerika und assortierte Alliierte einen tiefen kulturellen Wandel brauchen.

Ein Auswahl:

  • 7 Percent Solution: Die Notwendigkeit ein noch grösseres staatlich finanziertes Hilfspaket zu beschliessen, um der bisherigen konfusen Reaktion der staatlichen Institutionen endlich zum Durchbruch zu verhelfen. (Newsweek)
  • The whistle-blower: Die Reportage über Thomas M. Tamm, der als "Whistleblower" das illegale Abhörprogramm der Regierung Bush publik machte. (Newsweek)
  • Corruption: Obama's seat for sale: Die unglaubliche Geschichte über den Gouverneur von Illinois Rod Blagojevich, der den freigewordenen Senatssitz an den Meistbietenden verkaufen wollte. (Newsweek)
  • Beware of Washington: Mehrere kleine Vignetten über künstlerisches Schaffen während der Präsidentschaft von Bush mit den Highlights Borat als bestes Filmwerk über die doppelte Moral der letzten Jahre und Green Day's Song "American Idiot" als bestes Lied. (Newsweek)
  • Bush's vision and ambition fed the bubble: Die Analyse über einen Präsidenten, der in einem Meeting unlängst fragte: "How did we get there?". (IHT)
  • Wall Street fraud knew no boundaries: Der Hintergrundbericht über das Ponzi-Schema von Madoff (IHT)
  • China to the rescue: Ein intelligenter Kommentar von Thomas L. Friedmann darüber, dass Chinas Reichtum in direkter Korrelation zum Überschwang in Amerika existierte durch die Produktion billiger Güter, die Amerika mit durch China finanzierten Schulden kaufte. Amerika kann nur mittels Rückbesinnung auf Grundwerte wieder aus diesem Schlamassel finden. (IHT/NYT)

Gut dazu passt auch Krugman's Kolumne über den nichtexistenten Unterschied zwischen dem Madoff Schema und den Wall Street Praktiken ganz allgemein: A world gone Madoff.

Wie kann das sein, dass eine ganze Gesellschaft - in erster Linie ihre Eliten, aber letztlich haben alle daran teilgenommen, auch die Leute, die mit 40'000$ Jahreseinkommen ohne Anzahlung eine Hypothek für 750'000$ aufgenommen haben - ihre Grundwerte vergessen hat? Die einen haben den sprichwörtlichen Tanz ums goldene Kalb zelebriert, während die andern Grundwerte der amerikanischen Verfassung bewusst verletzt haben.

Wir müssen uns wieder zurückbesinnen auf die Grundwerte ehrlicher Arbeit und einer ehrlichen Gesellschaft.

Wie lang das geht? Bekanntlich dauert ein Kater länger als der Morgen danach.

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China und Amerika auf Augenhöhe

China hat einen grossen staatlich kontrollierten Bankensektor und einige private Banken. Amerika hat einen grossen staatlich kontrollierten Bankensektor und immer noch einige private Banken.

China hat einen grossen staatlich kontrollierte Industriesektor und viele private Firmen. Amerika hat (nach dem Rettungspaket für die Autoindustrie) einen grossen staatlich kontrollierten Industriesektor und immer noch viele private Firmen.

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Transition

Während vier Jahren durfte ich mit einem überragend guten Team zusammenarbeiten. Zusammen haben wir local.ch gebaut. Vor vier Jahren gab es nichts mehr als ein weisses Blatt Papier. Heute ist local.ch eine der Top 10 Websites der Schweiz - unser Erfolg. Unterwegs haben wir eine Menge geleistet, den einen oder anderen Preis eingeheimst, die eine oder andere Niederlage zu verdauen gehabt und viel Spass erlebt. Jetzt gebe ich die Verantwortung für local.ch weiter. Ich bin sicher local.ch wird auf Basis des Vorhandenen noch grössere Erfolge erzielen können. Darauf freue ich mich und sage dem Team: Just do it!

Und unser Ziel? Wir bauen eine neue Firma!

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Ironie auf dem Buckel der Leute

Die amerikanische Autoindustrie ist möglicherweise kurz vor dem Aus. Ein Grund ist, dass die grossen Hersteller, allen vor an GM, während den letzten Jahren Profite vor Innovation gestellt haben. Kunststück, die meisten der Top-Management Positionen sind mit Leuten mit Finance Hintergrund besetzt. Meist eh keine gute Idee. Die Leute verstehen meist nur Bottom Lines, Discounted Cash Flows und andere Dinge, die Innovation killen.

Im Fall der grossen Autobauer kommt allerdings noch etwas anderes dazu. Die 3 grossen US-Autobauer haben teilweise Lohnkosten pro Stunde von 70$, während die Konkurrenz mit 46$ auskommen. Wie kommt das zustande? Zuerst: Natürlich, kein Arbeiter verdient 70$ die Stunde. Die Zahl setzt sich zusammen aus dem eigentlichen Salär (25-28$), direkten Sozialleistungen (17-20$) und - entscheidend - Kosten für die Sozialleistungen von ausgetretenen Mitarbeitern runtergerechnet auf die aktuell noch Beschäftigten. Bei Toyota und andern Herstellern sinds insgesamt etwa 44-46$. Ein heute grosser Nachteil für die grossen Drei.

Wie kam das? In den 50ziger und 60ziger Jahren haben die Autofirmen sich vehement gegen die Pläne der US-Regierung eingesetzt, eine staatlich geführte Sozialversicherung für Gesundheit und Altersvorsorge einzuführen. Begründung: Dass sei sozialistisch! Die Konzerne haben die Leistungen dann auf die eigenen Bücher genommen mit dem Resultat, dass sie heute nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Ironie der Geschichte: Mit dem hohlen Argument "Achtung Sozialismus" geschieht nun genau das: Die grossen Autofirmen müssen um eine de facto Übernahme durch den Staat betteln.

Einmal mehr: Extrempositionen bringen's nicht. Sie verkehren sich früher oder später in ihr Gegenteil.

Update (10. Dezember)
Die NY Times hat hier eine gute Übersicht zum Thema geschrieben.

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