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Es kommt alles noch viel schlimmer und wir wollen es nicht wahrhaben

Diese Woche hat's in sich: WaMu hats gelupft, die erste Version des $700Mia US-Rettungspakets auch, Wachovia und B&B stehen kurz davor (B&B mit dem sinnigen Slogan "We'll help you get where you want to be), Hank - the Hammer - Paulson sei sogar auf die Knie vor Nancy Pelosi und die Börsenbarometer stehen nur auf rot.

Besagter Hank hat 2002 anlässlich einer Rede vor dem Nationalen Presseklubs in den USA gesagt: "Ich komme als Individiuum, das aus voller Überzeugung an die Stärke unseres freien Marktes glaubt - ein System, das Wachstum bringt, Arbeitsplätze schafft, Engagement belohnt und Innovation unterstützt wie kein anderes in der Geschichte."

Und der Chefredaktor der NZZ am Sonntag, Felix E. Müller, sieht sich gezwungen zu schreiben: "Dabei sind alle Unkenrufe vom Ende der Marktwirtschaft weit verfehlt. Kein anderes System als die Marktwirtschaft ist in der Lage aus Fehlern die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und Korrekturen einzuleiten - was jetzt geschieht."

Aus den Zitaten spricht zweierlei: lineares Denken in bestehenden Bahnen und das Unvermögen anders zu denken, als eben in diesen bestehenden Bahnen. Wesentlich realistischer scheint mir die Einschätzung von Ray Dalio von Bridgewater Associates, einem der grössten Hedge-Funds der Welt. Er geht von 2000 Milliarden Dollar Abschreibungsbedarf aus. 2000 Milliarden gegenseitiger Versprechen, die nun plötzlich nicht mehr eingelöst werden, weil die Finanzwelt sich gegenseitig und gemeinsam andern (Hausbesitzern) gegenüber misstraut und die der fiktive Wert Geld so plötzlich eben das ist was es immer schon war: Eine fiktive Grösse, deren Wert einzig auf dem kollektivem Vertrauen fusst.

Insgesamt halte ich es in dieser Situation mit Friedrich Dürrenmatt, der in den 21 Punkten zu seinem Stück "Die Physiker" darlegte, dass " Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst mögliche Wendung genommen hat."

Oder andersrum gesagt: Gürtel enger schnallen.

PS: Damit mich niemand falsch versteht: Das hier ist nicht das Ende der Welt, die Geschichte insgesamt ist noch nicht zu Ende gedacht. Es geht also weiter und wir setzen unsere Pläne um.

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Amerika wird sozialistisch

Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac ist gleich auf mehreren Ebenen ziemlich einzigartig: Bush, der einzige US-Präsident mit MBA Abschluss und bisher für seine stramm marktwirtschaftlichen Ansichten bekannt (Okay, Reichern Steuergeschenke machen ist nicht wirklich marktwirtschaftlich) verstaatlicht die beiden grossen Hypotheken-Institute Amerikas.

Die Börsen finden das alle toll (Ansonsten immer sehr skeptisch, wenn der Staat etwas unternimmt) und verzeichnen grosse positive Kurssprünge.

Das alles unter der Annahme nun sei alles vorbei, das Schlimmste überstanden. Nur leider haben sich die Auguren in dieser Sache bisher stetig getäuscht (Immerhin Krugman vermerkt: Gute Sache die Rettung, aber das alles ist noch lange nicht vorbei).

Und der grosse Management Guru - sein Buch Good to Great ist eigentlich auch wirklich toll - Jim Collins scheint sich getäuscht zu haben: Fannie Mae war eines seiner Beispiele für eine ausgezeichnet geführte Firma. Ooops, da ist was schief gegangen.

Was will uns das alles sagen: Wir bewegen uns in einer unsicheren Welt solange die Financial Assets - wie in den letzten Jahren passiert - so exorbitant schneller wachsen als die Real Assets (Dumm die Graphik neulich online gesehen, aber wo? Hätte ich doch bloss schon unseren neuen Dienst). Heute sind sie ein mehrfaches der Real Assets und das ist ungesund. Und damit müssen wir aufhören, ob uns das nun passt oder nicht. Eine Aufgabe die nur der Staat lösen kann.

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Heute in: Am Quai beim Bahnhof Tiefenbrunnen

Auf meinem Heimweg steige ich regelmässig beim Bahnhof Tiefenbrunnen von der S-Bahn auf den Bus um. Und immer wieder überrascht mich der Ausblick auf den Uetliberg wegen seiner schlichten und umwerfenden Schönheit. Wie gestern Abend:

ZH Tiefenbrunnen, Mo. 8.9.08, 20h19

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