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Innovation umgekommen

Clayton M. Christensen ist bekannt geworden mit seinem Buch über das Dilemma von Innovatoren (Innovator's Dilemma). In der Januar Ausgabe der Harvard Business Review schreibt er mit zwei Kollegen wie Finanzinstrumente schlecht eingesetzt Innovationen ein rasches Ende bereiten (1).

Der erste Killer ist eine falsch eingesetzte Discounted Cash Flow Analyse. Bei dieser Analyse werden die zukünftigen Zahlungsströme mit Hilfe der Kapitalkosten auf den Bewertungszeitpunkt in der Gegenwart diskontiert. Bei der Bewertung von Neuinvestments werden diese oft mit grosser Liebe zum Detail aus allen möglichen Blickwinkeln betrachtet und berechnet. Das ist okay. Der eigentliche Fehler passiert mit der Bewertung des Status Quo. Meist wird ein Neuinvestment mit der Fortsetzung der eigenen aktuellen Marktposition verglichen. Dabei wird die aktuelle Position linear in die Zukunft fortgesetzt. Diese Annahme ist oft falsch. Der Markt entwickelt sich weiter; neue Konkurrenten tauchen auf, die eigene Marktposition kommt unter Druck. Konsequenz: Die lineare Fortsetzung der eignen Marktposition entspricht nicht dem realen Verlauf. Ein simpler Vergleich gegen diese lineare Fortsetzung ist somit selten richtig.

Der zweite Killer ist ein Fokus auf bestehende fixe und bereits getätigte Investionen. Viele Firmen fokussieren bei der Rentabilitätsbetrachtung von neuen Innovationen auf bereits gemachte Investitionen. Oft ist die Maxime die bestehende Basis besser zu gebrauchen und nur Zusatzinvestitionen die diese besser nutzen zu tätigen. So geschehen bei den grossen Stahlfirmen in den USA. Diese meinten mit kleinen Zusatzinvestionen in ihre grossen Stahlöfen, sei den kleinen flexiblen sogenannten Mini-Mills beizukommen. Schliesslich seien die Neuinvestionen gesamthaft kleiner, also ein Marktvorteil gegenüber den Neuen erzielbar. Ein neuer Wettbewerber muss auf keine bestehende Basis Rücksicht nehmen. Das ist sein Vorteil: Denn über die Zeit zählt die absolute Kostenbasis. Und die sprach bei den Stahlkochern eine klare Sprache: Die Mini-Mills haben gewonnen.

Der dritte Killer ist in der aktuellen Bankenkrise wieder einmal klassisch zum Vorschein gekommen: Ein scheuklappenhafter Fokus auf die "Earnings per Share - EPS", d.h. den Ertrag pro Aktie. Dabei schrecken die CEOs nicht davor zurück, z.B. die Anzahl ausstehender Aktien zu reduzieren, um so das Verhältnis Ertrag pro Aktie nach oben zu drücken. Klar, Investitionen werden in einem solchen Klima nur sehr defensiv bewilligt, drücken sie doch kurzfristig den Ertrag und somit die EPS.

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(1) Clayton M. Christensen, Stephen P. Kaufman, and Willy C. Shih: Innovation Killers: How Financial Tools Destroy Your Capacity to Do New Things, Harvard Business Review, January 2008 (Subscription required)

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